Bewusstseinserweiternde Begegnungen

being human

“It’s hard to believe in coincidence, but it’s even harder to believe in anything else.”
― John Green

Manchmal passieren Dinge, die so zufällig erscheinen, dass wir sie niemals für möglich gehalten hätten. Und manchmal treffen wir durch genau solche Zufälle Menschen, die unsere Wahrnehmung auf eine unvergleichliche Art und Weise erweitern. Nach solchen Begegnungen haben wir sogar manchmal das Gefühl, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Ein verändertes Weltbild ist wieder mal ein große Aussage, doch was ich damit eigentlich ausdrücken möchte, ist, dass wir manche kleinen Details erst wahrnehmen, wenn wir bestimmte Personen getroffen oder Dinge erlebt haben. Je mehr Menschen mit unterschiedlichsten Interessen und Weltbildern wir treffen, desto weiter wird unser eigener Horizont. Selbstverständlich erweitert nicht jeder, der uns über den Weg läuft, unsere Wahrnehmung – doch die, die es tun, machen unsere eigene kleine Welt ein bisschen größer.

Eine ganz besondere bewusstseinserweiternde Begegnung hatte ich während meiner Zeit in Australien. Niemals werde ich vergessen, wie ich mitten im großen Sydney auf der Straße zwei Fotografen traf, die mich in ihre Welt einluden. Nichtsahnend schlenderte ich an diesem Tag mit einer Freundin durch Sydneys Straßen in Richtung Kunsthalle. Auf dem Weg dorthin kamen wir an zwei Männern vorbei, die sich in einer schönen Kulisse gegenseitig zu fotografieren schienen. Ich wollte das Bild, das gerade aufgenommen wurde, nicht kaputt machen und rannte schnell an dem Mann, der gerade fotografiert wurde, vorbei. Als ich mich dann aus Höflichkeit dem Fotografen zuwandte und mich entschuldigte, durchs Bild gelaufen zu sein, fing der fremde Mann an zu lachen. Ich fragte ihn, was so lustig sei und er begann über beide Ohren zu grinsen.

Der zweite Mann gesellte sich zu uns und wir drei kamen ins Gespräch, bei dem sich herausstellte, dass die Situation ganz anders war, als ich auf den ersten Blick vermutet hatte. Denn das Foto, das in dem Moment geschossen wurde, als ich an dem einen Mann vorbeirannte, sollte gar nicht dessen Abbild, sondern mein eigenes einfangen. Die Inszenierung, die bei Passanten wie mir, den Anschein erweckt hatte, dass nicht sie selbst, sondern einer der beiden Männer fotografiert wurde, sollte dazu führen, dass eine möglichst natürliche Momentaufnahme entstand. Die netten Männer, die sich als Fotografen herausstellten, wollten mit ihrer Kamera den Augenblick und den Menschen in seiner natürlichsten Form einfangen – jetzt begann auch ich über beide Ohren zu grinsen.

Mir gefiel die Idee und die Art und Weise, auf die die Fotografen ihre Umgebung wahrnahmen. Denn auch die Kulisse für ihr Shooting hatten sie selbstverständlich nicht zufällig ausgewählt. Es war das Sonnenlicht, das die geometrischen Formen der Hauswände umspielte, welches die Männer an diesem Ort ihre Kamera aufstellen ließ. Sie erklärten mir, wie sie diese kleine Seitenstraße wahrgenommen hatten und ich begann plötzlich, zu sehen, wovon sie sprachen. Vor dem Gespräch mit den Fotografen war die Straße für mich bloß eine Straße gewesen, die Hauswand bloß eine Hauswand. Doch plötzlich nahm ich wahr, wie schön diese einfache Kulisse doch durch das einfallende Licht war. Es faszinierte mich, wie viel mehr man doch sehen konnte, wenn man die Welt einmal aus einer anderen Perspektive betrachtete.

Als wäre die Geschichte nicht schon besonders genug gewesen, stellte sich heraus, dass einer der beiden Männer zur Zeit eines seiner Fotoprojekte in der Kunsthalle durchführte. Da meine Freundin und ich sowieso dorthin wollten, schlug der Fotograf vor, uns zu begleiten, um Fotos für sein Projekt zu schießen. Er fragte mich, ob ich Lust hätte, mich an dem Projekt zu beteiligen, indem ich mich vor seine Kamera stellte. Begeistert von der Kreativität der beiden Männer und deren Blick auf die Welt willigte ich sofort ein. Gemeinsam verbrachten wir den gesamten Nachmittag in Sydneys großer Kunsthalle, machten Fotos vor Kunstwerken, um aus diesen neue Kunstwerke zu machen und tauschten Geschichten aus unseren Leben an unterschiedlichen Enden der Welt aus.

Wenn ich heute an diese Geschichte zurückdenke, bin ich unfassbar dankbar für alle Menschen, durch die ich die Welt mit anderen Augen – mit einem weiteren Blick – sehe. Dank dieser und anderer bewusstseinserweiternder Begegnungen wird meine Welt immer bunter. Ich sehe nun, wie das Sonnenlicht einzigartige Schatten kreiert, höre nun, wie bei manchen Liedern die Gitarre aus der Melodie herausklingt und nehme wahr, wie viel schöner die Welt doch sein kann, wenn man anderen Menschen erlaubt, seine eigene Aufmerksamkeit auf Details zu lenken, die man alleine niemals wahrgenommen hätte.

Menschliche Menschen

being human

“I admire strength but I fall in love with vulnerability.
I admire strong people. People who stand for what they believe ,
people who are not easily moved by temptations, people who fight their own feelings for their values,
but succumb to a mere thought of pain to others.
But I absolutely fall in love with them when even for a minute they give away,
they break down and cry, the heart takes over,
in that moment they are most human,
in that moment they take my heart away.”
― Drishti Bablani, Uns

Menschlichkeit – ein großes Wort, hinter dem doch so viel mehr steckt, als man zuerst meinen mag. Denn nicht jeder von uns, der Mensch ist, zeigt sich auch immer von seiner menschlichen Seite. Zwar bin ich der festen Überzeugung, dass wir alle diese Seite haben, doch zu sehen bekommt man sie viel zu selten. Wir verstecken uns viel lieber hinter dem Bild, das wir von uns in den Köpfen der anderen Menschen kreieren wollen – das Bild, das wir für uns selbst als passend empfinden. Dabei vergessen wir nicht selten, wer wir eigentlich wirklich sind und was es heißt, Mensch zu sein.

Doch dann gibt es da ein paar besondere Personen, die einen daran erinnern, was Menschlichkeit eigentlich bedeutet. Menschen, die etwas ausstrahlen, das einen das Leben in vollen Zügen fühlen lässt. Menschen, die selbst fühlen und ihre Gefühle zum Ausdruck bringen. Solche Menschen waren schon immer diejenigen, die mich auf eine eigenartige Weise tief berührt haben – die mich meiner eigenen Menschlichkeit ein Stück näherbringen konnten. Jedes Mal, wenn ich mich mit genau solchen Personen umgebe, fühle ich mich noch ein kleines bisschen lebendiger als zuvor.

Denn gibt es etwas Schöneres, als jemanden zu treffen, mit dem man seine Emotionen teilen kann? Und mit Teilen meine ich hier nicht bloß die Offenbarung seines Innenlebens. Ich meine die buchstäbliche Übertragung eines Teils seiner Gefühle auf einen anderen Menschen – ehrliche Empathie ist wohl eine passende Bezeichnung. Das Besondere an dieser Empathie ist der Widerspruch, der in ihr steckt. Denn wenn wir unsere Begeisterung mit jemandem teilen, dann wird diese fast immer noch größer. Teilen wir jedoch einer anderen Person unsere Trauer mit, dann fühlen wir uns meist schon bald ein kleines bisschen besser.

Durch neue Begegnungen und alte Freundschaften habe ich in der letzten Zeit mal wieder gemerkt, wie wertvoll es ist, Menschen zu kennen, die einem durch ihre Menschlichkeit sofort das Gefühl geben, sein ehrliches Selbst zeigen zu können. Das Selbst, das so verletzlich sein kann. Das Selbst, das spürt und lebt und liebt.

Neapolitanische Pizza in Hamburg

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„Now, my friends, we go for pizza!“

Leckere Pizza aus dem Steinofen – wer liebt sie nicht? Jeder der mich mich kennt, hat mit Sicherheit schon festgestellt, dass ich eine gute Pizza sehr zu schätzen weiß. Jedoch längst nicht jede Pizza wird meinen hohen Ansprüchen gerecht – um meiner Vorstellung einer guten Pizza zu entsprechen, muss diese nämlich entweder hauchdünn und knusprig oder neapolitanischer Art sein. In Hamburg gibt es zum Glück eine Menge Restaurants, deren Pizzen mindestens eines der beiden Kriterien erfüllen. Die Pizza Bande, zu der ich inzwischen fast jeden meiner Freunde einmal mitgeschleppt habe, überzeugt z.B. mit ihren rundum dünnen Pizzen und einer unschlagbar leckeren Tomatensauce. Um dieses Restaurant soll es heute jedoch gar nicht gehen – denn es sind vor allem die neapolitanischen Pizzen, die in letzter Zeit die schöne Hansestadt Hamburg erobert haben. Fast an jeder Ecke gibt es inzwischen ein Lokal, dass diese Art von Pizza, die an ihrem fluffigen Rand und einer dünnen Mitte zu erkennen ist, anbietet. Wo ihr in Hamburg wirklich gute neapolitanische Pizza essen könnt, werde ich euch deshalb in diesem Blogbeitrag verraten.

Der Geschmack Vietnams – mitten in Hamburg

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„Meals make the society, hold the fabric together in lots of ways that were charming and interesting and intoxicating to me. The perfect meal, or the best meals, occur in a context that frequently has very little to do with food itself.“
– Anthony Bourdain

Auf meiner Reise durch Vietnam habe ich nicht nur meine Liebe für dieses Land, sondern auch für die vietnamesische Küche entdeckt. Frisches Gemüse, aufregende Gewürze & unvergessliche Geschmackskombination haben mich in Vietnam jeden Tag aufs Neue begeistert. Ich wusste schon während meiner Reise, dass mir das leckere vietnamesische Essen am anderen Ende der Welt unheimlich doll fehlen würde. Zurück zuhause angekommen, konnte ich nicht anders, als mich auf die Suche nach dem Geschmack Vietnams mitten in Hamburg zu machen – zum Glück wurde ich fündig. Drei Restaurants in der schönen Hansestadt haben es geschafft, mich geschmacklich zurück nach Vietnam zu versetzen und Erinnerungen an eine unvergessliche Reise zu wecken.

Xeom Eatery

Wie mitten auf einer belebten Straße in der Hauptstadt Vietnams – so fühlt man sich in der Xeom Eatery im Karolinenviertel. Die Gäste sitzen auf für Vietnam typischen Plastikstühlen an kleinen Tischen und genießen ihre vietnamesische Nudelsuppe oder Bowl. An der Decke hängen neben bunten Girlanden zahlreiche Kabel und die Wände sind voller Bilder von Rollerfahren auf den Straßen Vietnams. Was sich erst einmal eigenartig und wenig gemütlich anhört, lässt das Herz jeder Person, die sich auf ihren Reisen in das asiatische Land verliebt hat, höher schlagen. Hier fühlt man sich ein kleines bisschen so, als wäre man wieder am anderen Ende der Welt.

Doch das vietnamesische Ambiente der Xeom Eatery ist nicht das Einzige, was täglich zahlreiche Gäste anlockt. In dem kleinen Lokal sieht es nämlich nicht nur aus wie in Vietnam – es schmeckt dort auch so! Von klassischer Pho, über lauwarme Reisnudelsalate, bin hinzu hausgemachten Frühlings- und Sommerrollen – hier gibt es viele der Gerichte, denen man bei einer Reise nach Vietnam fast unausweichlich begegnet. Schnell wird mir klar, dass die Besitzer der Xeom Eatery es im Sinn haben, die vietnamesische Küche hier im entfernten Deutschland so authentisch wie möglich auf die Teller zu bringen. Wer eines der Gerichte bestellt, wird nicht enttäuscht! Die frischen Zutaten und die verschiedenen Kräuter, die perfekt mit den selbstgemachten Saucen harmonieren, schmeckt man sofort heraus. Besonders von Koriander und Chili, die zu den liebsten Gewürzen der Vietnamesen gehören, kann ich einfach nicht genug bekommen. Genauso wie ich von der Xeom Eatery nicht genug bekommen kann!

Ume no hana

Im „Ume no hana“ – das den japanischen Namen der Pflaumenblüte trägt – werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Denn das hippe Restaurant auf St. Pauli führt seine Gäste zugleich nach Vietnam und nach Japan. Auf der Speisekarte des Lokals sind sowohl typisch japanische Ramen Nudeln und japanische Kleinigkeiten als auch vietnamesische Köstlichkeiten zu finden. Und auch die Einrichtung des Lokals orientiert sich an diesen zwei asiatischen Kulturen – während die eine Hälfte des Lokals einen an das Ambiente in einer der großen Städte Vietnams erinnert, wird man auf der anderen Hälfte nach Japan versetzt. Jeder Gast kann sich bei seinem Besuch entscheiden, ob er atmosphärisch und auch geschmacklich lieber nach Japan oder nach Vietnam reisen möchte – beides lohnt sich auf jeden Fall!

Ich habe mich, wie zu erwarten, bei meinem ersten Besuch kulinarisch nach Vietnam führen lassen. Wie in allen anderen vietnamesischen Restaurants in Hamburg war ich gespannt, ob mich der Geschmack meines bestellten Gerichts überzeugen würde. Was ich dann serviert bekam, enttäuschte mich keineswegs – das Reisnudelgericht mit Tofu und frischem Gemüse schmeckte wie eines, dass ich einmal zum Frühstück in Saigon gegessen hatte. Nudeln zum Frühstück sind in Vietnam übrigens ganz normal. Neben dem leckeren Essen gibt es noch eine andere Sache, die beweist, dass das „Ume no hana“ wirklich authentisch vietnamesisch ist. Auf der Getränkekarte findet man nämlich auch typisch vietnamesischen Kaffee und Tra Da – einen ungesüßten grünen Tee mit einer natürlichen Vanillenote, der in dem Land eigentlich täglich getrunken wird. Der erste Schluck meines grünen Tees ließ mich in Erinnerungen schwelgen – bis jetzt erhält das Ume no Hana also auch meinen Preis für den besten Tra Da in Hamburg. Allein dafür ist das Restaurant also bereits einen Besuch wert!

AN Vegan House

Ein veganes Restaurant, das auch die Herzen von Fleisch-Essern höher schlagen lässt – so eines ist das AN Vegan House. Denn diesem gemütlichen vietnamesischen Lokal fehlt es an Nichts außer an tierischen Produkten auf der Karte. Die Besitzer des Restaurants haben wieder einmal bewiesen, dass Essen auch ganz ohne Fleisch, Ei & Milch total lecker und befriedigend sein kann. Eine wichtige Botschaft, die zum Wohl unserer Erde auf jeden Fall vermittelt werden sollte. Und eine Sache muss ich unbedingt gesagt haben – wer im AN Vegan House einmal den Seidentofu im knusprigen Reismantel probiert hat, der wird in Zukunft nicht mehr behaupten, dass Tofu immer langweilig schmeckt.

Ob eine große bunte Bowl voller leckerem Gemüse oder ein paar verschiedene vietnamesische Tapas – im AN Vegan House ist man bei großem sowie kleinem Hunger bestens bedient. Auf der Speisekarte findet man eine bunte Auswahl von kleinen asiatischen Gerichten aber auch fünf verschiedene Hauptgerichte, die in großen Bowls serviert werden. Die Auswahl klingt so gut, dass es schwer fällt sich zu entscheiden – ich hätte bei meinem ersten Besuch am liebsten alles bestellt und wusste sofort, dass ich noch einmal zurückkommen würde, um mich durch die anderen Gerichte zu probieren. Bis jetzt wurde ich bei jedem meiner Besuche im AN Vegan House von neuen aufregenden Geschmackskombinationen begeistert, die mir zuvor noch nie begegnet waren. Das Essen dort erinnert einen nicht nur an Vietnam, sondern eröffnet einem auch eine Tür zu ganz neuen Geschmackswelten. Ich werde mit Sicherheit noch viele Male ins AN Vegan House zurückkehren – selbstverständlich auch noch nachdem, ich bereits alle Gerichte einmal probiert habe!

Exploring Hoi An

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“We keep drifting from one city to another,
inhaling the inimitable fragrances of the myriad places.”
Avijeet Das

Ein kleines Küstenstädtchen wie aus dem Bilderbuch – das ist Hoi An auf jeden Fall. Die schöne Stadt in Zentralvietnam verzauberte meine Reisebegleiterin und mich auf vielfältigste Art und Weise. Wir verliebten uns in den alten Hafen, die traumhaften Strände und die lebhaften Markthallen, die es in Hoi An zu finden gibt. Während unseres Aufenthaltes dort, schlenderten wir jedoch nicht nur durch die mit Lampions geschmückte Altstadt, sondern lernten bei einem privaten Kochkurs auch noch mehr über Vietnams Kultur – ein Highlight meiner Zeit im Ausland. Nun – nach meiner langen Reise – kann ich sagen, dass Hoi An definitiv zu den schönsten Orten gehört, an denen ich je gewesen bin.

Exploring Saigon

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“What strange phenomena we find in a great city, all we need do is stroll about with our eyes open. Life swarms with innocent monsters.”
– Charles Baudelaire

Es war Liebe auf den ersten Blick – als ich nach Vietnam kam, wusste ich sofort, dass dieses Land mich in seinen Bann ziehen würde. Straßen voller Leben, freundliche Menschen und unglaublich gutes Essen sind all das, was Vietnam ausmacht. Besonders unser erster Stopp Saigon, auch Ho Chi Minh City genannt, pulsiert voller Energie – einer Lebendigkeit, die ansteckt. Bereits das Schlendern durch die Stadt ist dort ein Feuerwerk für die Sinne. Es gibt so viel zu sehen, hören und riechen. Ich konnte gar nicht genug von Saigons unvergleichlicher Atmosphäre bekommen.

Central Post Office

Willkommen in Vietnam

Meine Aufregung war groß. Nach einer knappen Woche auf den Philippinen, in der wir sehr viel über die Welt und uns selbst gelernt hatten, ging es nun weiter nach Vietnam – in das Land, das ganz oben auf meiner „Bucket List“ gestanden hatte. Ich kann nicht genau sagen warum, doch Vietnam war schon lange das asiatische Land, das ich am meisten besuchen wollte. Auch ohne ein ganz klares Bild von der vietnamesischen Kultur zu haben, wurde ich von dem Land angezogen wie von keinem anderen. Dementsprechend war meine Freude dann auch besonders groß, als wir nach einer wieder mal langen Reise in Ho Chi Minh City landeten.

Es war bereits drei Uhr morgens als wir total erschöpft unser Hostel im Herzen von Saigon erreichten. Dort wurden wir bereits von freundlichen Mitarbeitern empfangen und auf unser Zimmer geführt – es ging alles ganz schnell und war unkompliziert. Wir waren so unfassbar dankbar, als wir endlich in einem gemütlichen Bett lagen. Schnell schliefen wir glücklich und voller Vorfreude auf den nächsten Tag ein. Mein Traum von einer Reise nach Vietnam war nun wirklich in Erfüllung gegangen – der Gedanke daran verschaffte mir süße Träume.

Die Dachterrasse unseres Hostels

Ein Street-Food-Paradies

Am nächsten Morgen machten wir uns gut erholt auf die Suche nach einem leckeren Frühstück. Wer in Vietnam etwas Gutes essen möchte, der muss nicht lange suchen – das Land ist ein wahres Street-Food-Paradies. An jeder Ecke gibt es zahlreiche kleine Stände, an denen Essen zubereitet wird und überall auf der Straße wird frisches Obst verkauft. Alles sieht so interessant aus, dass man sich gar nicht entscheiden kann, was man zuerst probieren möchte. Für Lauren und mich gab es an unserem ersten Morgen in Vietnam Banh Mi – ein leckeres vietnamesisches Sandwich, dass dort inzwischen zu den Nationalgerichten gehört. Schon beim ersten Bissen wusste ich, dass das köstlich belegte knusprige Baguette nicht mein letztes Banh Mi sein würde. Die vietnamesische Küche hatte schon jetzt mein Herz gewonnen!

Unser erstes Banh Mi

Unsere Entdeckungstour durch Saigon ging kulinarisch grandios weiter. Von einer netten Frau, die am Straßenrand Obst verkaufte, kauften wir bereits geschnittene Guava, eine Frucht, die wir beide zuvor noch nie probiert hatten. Zu der verpackten Frucht legte die Frau ein kleines Päckchen mit hellrotem, körnigen Inhalt – wir vermuteten, dass es sich dabei um eine Art Zucker handeln würde, um die Guava noch süßer schmecken zu lassen. Zu unserer großen Überraschung stellte sich der Inhalt des kleinen Tütchens dann jedoch gar nicht als Zucker, sondern als Chili-Salz heraus. Gesalzenes Obst war etwas, dass ich mir niemals als etwas Leckeres hätte vorstellen können – ach, wie hatte ich mich getäuscht. Guava & Chili-Salz waren eine ausgezeichnete Kombination!

Die nächste typisch vietnamesische Speise, die mich absolut begeistert hat, ist die in dem Land sehr beliebte Pho – eine klare Nudelsuppe voller Geschmack. Pho gibt es sowohl mit Rinderbrühe und Rindfleischeinlage („Pho Bo“), als auch mit Hühnerbrühe und Hühnchen („Pho Ga“) – in großen Städten wie Saigon lassen sich außerdem zahlreiche vegetarische Variationen der traditionellen Suppe finden. Meine allererste Pho – genauer gesagt „Pho Ga“- aß ich, auf einem winzigen Plastikstuhl sitzend, mitten in Sàigòn. Nicht nur die unvergleichliche Atmosphäre, sondern auch die große Schüssel voller frischer Kräuter, die zu der Suppe serviert wurde, machten das Gericht perfekt – ein unvergessliches Street-Food-Erlebnis.

Pho Ga in Saigon

Magische Orte

Es ist der Zufall, durch den man meist an die schönsten Orte gelangt. So landeten auch wir ganz zufällig in dem bezauberndsten Café, das ich je besucht habe. Der ursprüngliche Plan war es gar nicht, Tee oder Kaffee zu trinken, sondern Essen zu gehen. Im Internet hatten wir ein schönes veganes Restaurant entdeckt, in dem wir gerne zu Mittag essen wollten. Als wir dort ankamen, wurde uns jedoch von den netten Besitzern des Lokals gesagt, dass dieses erst am Abend öffnen würde. Als wir uns gerade etwas enttäuscht auf die Suche nach einem anderen Restaurant machen wollten, gab uns der Restaurantbesitzer die Geste, ihm zu folgen. Wegen der Sprachbarriere hatten wir keinen Schimmer, wo er uns hinführen würde. Neugierig stiegen wir hinter ihm die Treppen, die im Hinterhof neben dem Restaurant zu finden waren, hinauf.

Was uns dann im dritten Stock erwartete war einfach magisch. Wir waren in einem kleinen Café – oder besser gesagt Teestübchen – gelandet, in dem man sich seinen Tee selbst kochen konnte. Gleich am Eingang wurden wir von einem jungen Mitarbeiter freundlich in Empfang genommen. Er bot uns an, einen speziellen Tee für uns zusammenzustellen und führte uns anschließend zu einem freien Sitzplatz. Alle Gäste saßen auf kleinen Teppichen auf dem Boden und tranken dort ihren Tee. Wir gesellten uns zu ihnen. Ganz typisch für Vietnam und so anders als in Deutschland dauerte es nicht lange, bis wir mit anderen jungen Leuten, die neben uns in dem Café saßen, ins Gespräch kamen. Wir erzählten einander von unseren zu gleich ähnlichen und doch sehr unterschiedlichen Leben und waren alle sehr froh durch den Zufall auf einander getroffen zu sein.

Das kleine Teestübchen, in dem wir einen so netten Nachmittag verbracht hatten, war jedoch nicht der einzige magische Ort, den wir in Saigon entdeckten. Mindestens genauso begeistert wurde ich nämlich von den Märkten der lebhaften Stadt. Schon immer bin ich gerne über Märkte geschlendert, einen so tollen Markt wie in Saigon hatte ich jedoch noch nie gesehen. Verschiedenste Farben, Gerüche und Geräusche bezauberten dort die Sinne. Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte, da es so viel zu sehen gab – so viel zu entdecken, was mir vorher fremd war. Exotisches Obst und Gemüse in den buntesten Farben erweckte in mir die Lust, einmal selbst in Vietnam zu kochen und mich an unbekannte Zutaten heranzuwagen.

Besonders in den frühen Morgenstunden blüht auf Saigons Märkten das Leben – denn auf jenen gibt es nicht nur frische Zutaten, sondern auch leckeres Street-Food zu kaufen. Die Vietnamesen scheinen es zu lieben, am Morgen an den Ständen der Märkte zusammenzukommen und dort gemeinsam ihr Frühstück zu essen. Anders als in Deutschland gibt es dort nach dem Aufstehen jedoch nicht etwa Toast oder Müsli, sondern viel eher heiße Suppe oder ein Reisgericht. Ein Frühstück der etwas anderen Art, an das ich mich jedoch schnell gewöhnt hatte.

Weiterreise

Der Abschied von Saigon viel mir gar nicht so leicht – ich hatte mich gleich auf den ersten Blick in die pulsierende Stadt verliebt, in der man auf der Straße von fast jedem Fremden angelächelt wurde. Gerne hätte ich noch mehr Zeit an diesem besonderen Ort verbracht, dessen Energie mich in seinen Bann gezogen hatte. Ich wusste, dass ich Vietnams zweitgrößte Stadt schon bald sehr vermissen würde. Das Gute war jedoch, dass mein Abschied von Saigon nicht auch zugleich das Ende meiner Zeit in Vietnam war. Für Lauren und mich ging es nun weiter nach Hoi An. Das schöne Küstenstädtchen liegt ungefähr in der Mitte zwischen Saigon und Hanoi und war damit ein perfekter Zwischenstopp für unsere Vietnamreise. Die große Reise ging also weiter.

Exploring El Nido

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“Because you don’t notice the light without a bit of shadow. Everything has both dark and light. You have to play with it till you get it exactly right.”

El Nido, das kleine Städtchen auf der philippinischen Insel Palawan, war das erste Ziel meiner großen Asien-Reise. Zum allerersten Mal in meinem Leben habe ich die „westliche Welt“ verlassen und eine ganz andere Kultur kennengelernt. Ich war zugleich begeistert und schockiert von all dem, was ich auf den Philippinen erlebt und gesehen haben. Denn El Nido selbst ist ein Ort der Kontraste, der vor allem wegen seiner tropischen Temperaturen und der atemberaubend schönen Natur Touristen aus aller Welt anlockt. Hier stehen riesige Hotels und Ferienresorts zwischen heruntergekommenen Blechhütten – hier treffen Locals und Touristen, dessen Leben unterschiedlicher nicht sein könnte, aufeinander.

Reiseplanung

exploring places

“To move, to breathe, to fly, to float,
To gain all while you give,
To roam the roads of lands remote,
To travel is to live.”
― Hans Christian Andersen

Mit dem Ende meiner Zeit als Au Pair wird mein Abenteuer am anderen Ende der Welt noch nicht vorbei sein. Bevor ich wieder nach Hause zu meiner geliebten Familie und meinen Freunden zurückkehre, möchte ich noch mehr von der Welt sehen. Mit vielen unvergesslichen Erfahrungen im Gepäck werde ich Ende Mai aufbrechen und mich auf große Reise begeben. Ich habe einen ganzen Monat lang Zeit, um verschiedene Orte in mehreren Ländern zu erkunden und mich von fremden Kulturen inspirieren zu lassen.

Zwei Kontinente, vier Länder, neun Orte – und das Ganze in nur vier Wochen. Solch eine große Reise ist mit einer Menge Planung verbunden. Von der Entscheidung für meine Reiseziele, über die Buchung von Flügen, bis hinzu der Suche nach guten Unterkünften – ich habe in den letzten Wochen viel Zeit damit verbracht, die größte Reise meines Lebens zu organisieren. Nun steht endlich fest, wohin es für mich gehen soll.

Die Zeit rennt – der Abschied naht

Australia

„How did it get so late so soon? – Dr- Seuss

Ich fühle mich wie im Flug – im Flug durch Raum und Zeit. Tage, Wochen, Monate ziehen in Windeseile an mir vorbei. „Wo ist die Zeit geblieben?“, frage ich mich. „Wie kann meine Zeit als Au Pair in Australien bloß so schnell vergangen sein?“. Mehr als sechs Monate lebe ich nun schon bei meiner Gastfamilie am anderem Ende der Welt. Weniger als ein Monat hier in Cairns bleibt mir noch. Der Abschied von all den Menschen, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe, naht.

Es ist verrückt – einerseits fühle ich mich, als wäre ich erst vor wenigen Wochen nach Australien gereist, weil ein halbes Jahr einfach so schnell vergangen ist. Andererseits kommt es mir vor, als würde ich meine Gastfamilie schon ewig kennen – als würde ich hier schon lange leben. In einer gefühlt so kurzen Zeit habe ich so viel erlebt, dass bereits Jahre vergangen sein könnten. Mein Zeitgefühl steckt voller Widersprüche. Nur Eines steht fest: Egal wie gefühlt schnell oder langsam die Zeit vergehen mag, der Großteil meines Auslandsabenteuers liegt bereits hinter mir.

Genauso widersprüchlich wie mein Gefühl für die Zeit sind auch alle anderen Emotionen in mir. Meine Gefühlswelt befindet sich irgendwo zwischen Angst vor dem Abschied und Vorfreude auf den Aufbruch. Ich möchte nicht gehen, doch kann es kaum erwarten, weiterzureisen und zurückzukehren. Meine derzeitige Situation hat zwei Seiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Keines meiner Gefühle überwiegt – denn es tut genauso weh, meine unfassbar liebgewonnene Gastfamilie zu verlassen, wie es sich gut anfühlt, meine liebsten Menschen bald wiederzusehen.

Der anstehende Abschied wird kein leichter sein. Wenn ich nur daran denke, bald „Tschüss“ sagen zu müssen, habe ich einen Kloß im Hals. Die beiden Kinder, auf die ich das letzte halbe Jahr aufgepasst habe, sind mir so sehr ans Herz gewachsen. Zu wissen, dass ich sie in den nächsten Jahren wahrscheinlich erstmal nicht wiedersehen werde, bricht mir das Herz. Denn anders als beim Abschied von meinen Liebsten in Deutschland, weiß ich nicht, wann ich zurück nach Cairns kehren werde. Der Gedanke daran, für lange Zeit von der Familie, mit der ich die letzten sechs Monate zusammengelebt habe, getrennt zu sein, ist ziemlich angsteinflößend und erscheint fast irreal.

Doch jeder Abschied ist zugleich der Beginn von etwas Neuem. Mit meiner Rückkehr nach Deutschland beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Ich bin gespannt auf all das, was vor mir liegt – freue mich auf neue Erfahrungen und altbekannte Menschen, die zuhause auf mich warten. Die ersten Schritte auf meinem neuen Weg führen mich jedoch nicht gleich zurück nach Hause. Bevor ich meinen Heimathafen in Hamburg anpeile, möchte ich noch etwas mehr von der Welt sehen. Ich werde einen Monat lang durch Asien reisen, um neue Orte zu entdecken und mich von fremden Kulturen inspirieren zu lassen.

Ich fühle mich nicht bereit zu gehen, doch bin auf jeden Fall bereit für anstehende Abenteuer und die Rückkehr zu meinen Liebsten – das ist wohl der Widerspruch des Weiterreisens.

Vom Vermissen

Australia

„Their absence is so big like they are there.“

Fast ein halbes Jahr ist nun bereits vergangen, seit ich zu meiner großen Reise ans andere Ende der Welt aufgebrochen bin – Fast seit sechs Monaten habe ich meine Liebsten nicht mehr gesehen. In dieser Zeit habe ich so viel erlebt und gelernt und jeden Augenblick, den ich bis jetzt in Australien verbringen durfte, mehr als genossen. Und dennoch ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht an sie gedacht habe. Sie sind die Menschen, die ich von ganzem Herzen liebe. Die Menschen, die in Deutschland auf mich warten. Ich kann es kaum erwarten, sie bald wieder in die Arme schließen zu können.

Obwohl ich gerade so weit weg von meinem Zuhause – dem Ort an dem ich aufgewachsen bin – lebe, überkommt mich richtiges Heimweh ziemlich selten. Ich fühle mich hier einfach so wohl und habe so viel zu tun, dass meine Sehnsucht nach meiner Heimat sich die meiste Zeit in Grenzen hält. Die Sehnsucht nach den Menschen, die dort leben und die ich liebe ist allerdings stetig groß – jedoch nicht auf bedrückende Art und Weise. Viel mehr ist es ein Gefühl der Dankbarkeit, diese Menschen in meinem Leben zu haben, auch wenn sie mir gerade physisch nicht nah sind. Es ist eine Sehnsucht danach, all die aufregenden und unvergesslichen Dinge, die ich hier erlebe, mit meinen Liebsten teilen zu können – denn Nichts wäre schöner als das.

All die atemberaubenden Orte, die ich hier in Australien bereits gesehen habe, würde ich unfassbar gerne meinen Freunden am anderen Ende der Welt zeigen. Ich wünschte, es wäre möglich sie nicht nur mit Hilfe von Worten, über mein derzeitiges Leben auf dem Laufenden zu halten, sondern all die Erlebnisse mit ihnen teilen zu können. Freude und Begeisterung werden größer, wenn man sie teilt – ach so gerne würde ich meine mit ihnen teilen. Schon bei so vielen Ausflügen zu den verschiedensten Orten, musste ich an einen meiner Liebsten denken, dem es dort mit Sicherheit gefallen würde.

Egal wie viel oder wenig Kontakt wir haben – die Freundschaft zu meinen echten Freunden ist noch genauso eng wie vor meiner Abreise. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für die Liebe zu meiner Familie. Und genau aus diesem Grund macht mich der Gedanke an Zuhause viel mehr glücklich als traurig. Meine Freude, solch tolle Menschen in meinem Leben zu haben – wenn auch viele tausend Kilometer von mir entfernt – ist stärker, als die Traurigkeit darüber, physisch von ihnen getrennt zu sein.