Der gute alte Brief

inspiration

„How wonderful is it to be able to write someone a letter! To feel like conveying your thoughts to a person, to sit at your desk and pick up a pen, to put your thoughts into words like this is truly marvelous.“ – Haruki Murakami

Wir leben in einer Zeit, in der die Kommunikation immer digitaler wird. Heutzutage schreibt man WhatsApp-Nachrichten, E-Mails oder Tweets – richtige Briefe schreibt fast keiner mehr. Alles soll nur noch schnell gehen. Das mag im Berufsleben vielleicht auch von Vorteil sein, aber im Alltag bedeutet es vor allem den Verlust des Wertes unserer Worte.

Ich bin keinesfalls gegen moderne Kommunikationsformen – ich nutze diese ja schließlich selbst täglich. Aber ich denke, wir sollten von Zeit zu Zeit ein bisschen „altmodisch“ sein und zu Stift & Papier greifen.

Für mich werden echte Briefe nie ihren besonderen Charme verlieren. Noch heute schreibe ich regelmäßig an gute Freunde, die ein bisschen weiter weg wohnen. Ich weiß nicht genau, warum es so ist, aber das Verfassen von Briefen hat für mich etwas unglaublich Erfüllendes. Mir kommt es vor, als wäre es die beste Möglichkeit, seine Gerdanken in Worte zu fassen und diese mit anderen zu teilen, ohne dabei die Bedeutung dieser zu verlieren. Eine WhatsApp-Nachricht ist schnell und flüchtig – schon nach wenigen Minuten haben wir ihren Inhalt wieder vergessen. Ein Brief hingegen bleibt im Kopf. Er gibt uns die Möglichkeit, nicht nur auf dem Papier bleibende Spuren zu hinterlassen, sondern auch im Gedächtnis des Lesers.

Das Schöne ist, dass mit dem Briefe-Schreiben auch das Erhalten von Briefen verbunden ist. Um Nichts auf der Welt möchte ich das Gefühl vermissen, dass in mir entsteht, wenn ich eine Nachricht von einem guten Freund in meinem Briefkasten finde. Es fühlt sich total gut an, einen Brief voller Vorfreude auf die sich darin versteckenden Worte in den Händen zu halten. Und genau dieses „In-den-Händen-Halten“ ist es, was das Briefe-Schreiben für mich zu etwas so Reizvollem macht. Ein handgeschriebener Brief, der durch den Druck auf dem Papier und andere Spuren des Verfassers seine ganz eigene Geschichte erzählt und viele Kilometer gereist ist, ist doch wesentlich persönlicher als eine WhatsApp-Nachricht. Niemals werden Smileys so viele Emotionen vermitteln können wie echte Tränen auf Papier.

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Ich bin sehr gespannt auf neue Brieffreundschaften, die ich in meinem Leben noch schließen werde und hoffe, Menschen kennenzulernen, die meine Leidenschaft für das Schreiben von Briefen teilen. Menschen, die dazu beitragen, dass diese unvergleichlich schöne Kommunikationsform nicht ausstirbt.

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9 Gedanken zu “Der gute alte Brief

  1. Ich fand das echt toll. Ich habe mich seit langer Zeit altmodisch genannt, weil ich auch genau so Wert auf die Hand geschriebene Briefe lege. Ich dachte immer, dass ich einziger, der immer noch einen Brief schreibt, war.
    Ein Brief kann man lebenslanges halten und es ist immer noch wertvoller. Vor 15 Jahren gab es Myspace und wie wissen nicht wie Facebook oder Whatsapp weitergehen werden. Aber die Briefe und gedruckte Fotos sind in der Tat was anderes. Ich hatte eigentlich mal eine Idee, wie man auf der Welt so einen Briefkreis schließen kann. Dann habe ich allerdings das nicht weiterentwickelt. Meine letzten Briefen waren gar nicht geantwortet und ich weiß nicht, ob sie gelesen wurden. Darum schreibe ich seit den gute 6 Monaten nicht mehr was aber hoffe, noch in der Zukunft gute Freundschaften, die ich Briefe schicken kann wie du, schließen. 🙂
    Danke für den schönen Beitrag. Danke dir weiß Bescheid, dass ich nicht einziger bin. 🙂
    Liebe Grüße.

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    1. Vielen Dank für deinen lieben Worte! Es freut mich wirklich sehr, dass der Blogeintrag bei dir so gut ankommt & dass du meine Leidenschaft für das Schreiben von Briefen teilst. Deine Idee mit dem Briefkreis hört sich interessant an. Wie wäre es, wenn wir einfach anfangen solch einen Kreis aufzubauen? Wer weiß, vielleicht finden sich auf diese Art & Weise noch mehr Menschen, die gerne wieder mehr Briefe schreiben würden 😇
      Liebste Grüße 🌍

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  2. Herzlichen Dank für dieses Pladoyer für den guten alten Schreibebrief! Ich selbst schreibe gern Briefe und, wenn nicht so viel mitzuteilen ist, Postkarten.
    Vor ein paar Jahren schrieb ich einer Jugendlichen. Eigentlich ein nüchterner Text über ein Kursmodul, das sie verpasst hatte. Ich fragte sie dann später, ob sie die von mir zusammengefassten Inhalte verstanden hätte. Nein, das nicht. Aber es sei das erste Mal gewesen, dass sie einen persönlichen Brief bekommen hätte, und das sei sehr schön gewesen. Mit 17 Jahren den ersten Brief!
    Letztens hatte ich weniger Glück. Eine Bekannte reiste für längere Zeit nach Indien. Ich nutzte den Anlass, den Luftpostbrief wieder zum Leben zu erwecken. Ich hatte irgendwo noch dieses dünne Papier und die hellblauen Umschläge aus der Zeit gefunden, als bei Luftfracht jedes Gramm gespart wurde. Gibt es so etwas eigentlich heute noch zu kaufen? Eilige Nachrichten werden heute ja auf elektronischem Wege verschickt und bei Luftfracht achtet man heute kaum noch auf Gewicht.
    Keiner meiner Briefe kam an. Warum? Wohl, weil mir die Dame trotz meiner Bitte nicht die exakte Adresse mit Postleitzahl usw. mitteilen konnte. Die braucht man heute ja nicht mehr und notiert sie demzufolge auch nicht. Einfachste Kenntnisse dieses „Handwerks“ gehen verloren. Schade!
    Natürlich freue ich mich auch immer riesig, wenn ich zwischen der Werbung und dem Behördenkram auch mal etwas Persönliches im Briefkasten finde. Leider ist das selten. Aber dann gibt es bei mir immer ein kleines Zeremoniell. Ein Kännchen Tee kochen, den alten abgewetzen Brieföffner, den ich aus Großvaters Kontor gerettet habe, aus der Schublade holen, es sich im Sessel gemütlich machen…

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  3. So wundervolle Worte! Achja der gute alte Brief… Ich schreibe hin und wieder mal mit meinen Freundinnen und auch, wenn wir uns täglich via Whats App unterhalten, so ist es doch ganz anders einen Brief von ihnen in den Händen zu halten… Man überlegt viel bedachter, was man nun alles schreibt und ist mit viel mehr Konzentration bei der Sache 🙂

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