Exploring Melbourne

Australia, exploring places
„There’s something about arriving in new cities, wandering empty streets with no destination. I will never lose the love for the arriving but I’m born to leave.“

Charlotte Eriksson

Jetzt, wo ich nun schon ganze zwei Monate in Cairns lebe, wurde ich mal wieder vom Fernweh ergriffen. Ich wollte die freie Zeit während des Urlaubs meiner Gastfamilie nutzen, um eine neue Stadt zu erkunden – Ich wollte mehr von Australien sehen. Aus diesem Grund entschied ich mich ziemlich spontan dazu, für ein paar Tage nach Melbourne zu fliegen. Die Stadt, die nicht nur die zweitgrößte Australiens, sondern auch die lebenswerteste der Welt ist, war für mich schon lange ein Ort, den ich unbedingt einmal besucht haben wollte.

Nun – am Ende meiner Reise – kann ich sagen, dass es auf jeden Fall die richtige Entscheidung war, nach Melbourne zu fliegen. In so wenigen Tagen habe ich so viel gesehen und erlebt – ich habe Silvester auf dem Dach eines Hochhauses gefeiert, bei einem vorher völlig fremden Au Pair zu Hause gelebt, neue Bekanntschaften geschlossen und die vielen schönen Orte der Stadt erkundet. In Melbourne habe ich Erfahrungen gemacht, von denen ich wahrscheinlich noch mein ganzes Leben etwas haben werden.

Yarra River

Meine nicht ganz komplikationsfreie Anreise

Am Abend des 27. Dezembers stieg ich in Cairns ins Flugzeug und machte mich voller Vorfreude auf den Weg nach Melbourne. Nach etwa drei Stunden Flugzeit landete ich sicher, war jedoch auch ziemlich müde, da es bereits Mitternacht war. Mit der Landung am Flughafen war ich jedoch noch längst nicht an meinem endgültigen Ziel angelangt – nun musste ich noch irgendwie nach Point Cook , einen etwas weiter von Melbournes Zentrum entfernten Stadtteil, kommen. Dort befand sich nämlich meine Unterkunft für die nächsten Tage.

Ich versuchte also zum ersten Mal in meinem Leben, einen Car-Sharing Dienst zu nutzen, da zu solch einer inhumanen Uhrzeit natürlich keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fuhren. Leider klappte das Ganze nicht ganz so gut, wie erhofft. Der eine Car-Sharing Dienst hatte einfach keine Fahrer verfügbar, ein anderer akzeptierte aus unverständlichen Gründen keine meiner Kreditkarten und meine Verbindung zum Internet war nicht stark genug, um die Uber-App herunterzuladen. Mir blieb also nichts Anderes übrig, als bis um vier Uhr morgens am Flughafen zu warten, um dann einen Skybus nach Point Cook zu nehmen. Völlig übermüdet machte ich mich auf die Suche nach einem ruhigen Plätzchen, um wenigstens ein Stündchen Schlaf zu bekommen. Dank der Zeit Verschiebung war in Deutschland gerade erst Mittag, so dass mir mein Freund währenddessen übers Telefon ein bisschen seelischen Beistand leisten konnte.

Gegen kurz vor vier erwachte ich aus meinem Halbschlaf und machte mich auf den Weg Richtung Skybus-Terminal. Ich war zwar nicht wirklich erholt, aber dennoch sehr dankbar, endlich zu meiner Unterkunft fahren zu können. An der Southern Cross Station angekommen stand ich bereits vor der nächsten Herausforderung. Ich musste mir eine sogenannte „myki“-Karte besorgen, um mit Bus und Bahn mein endgültiges Ziel erreichen zu können. Da in so frühen Morgenstunden natürlich noch keine Verkaufsstation geöffnet hatte, musste ich die Karte am Automaten kaufen. Ganz passend zu dieser Nacht gab es dort jedoch nur die regulären und nicht die reduzierten Karten für unter 19-Jährige. Ich kaufte also solch eine Karte und konnte mit dieser nun den letzten Abschnitt meiner langen Reise zurücklegen. Um halb sieben kam ich dann an meiner Unterkunft an. Ich wurde freundlich empfangen und viel schnell in einen tiefen Schlaf.

„Home-Sharing“ – Wohnen bei einem fremden Franzosen

Nicht ohne Grund musste ich in der Nacht meiner Ankunft noch so einen weiten Weg zurücklegen, um meine Unterkunft zu erreichen. Ich hatte für die fünf Nächte in Melbourne nämlich kein Hostel im Stadtzentrum gebucht, sondern kam bei einem vorher völlig fremden Jungen aus Frankreich unter, der mir über Facebook angeboten hatte, während meines Melbourne-Trips bei ihm unterzukommen. Wie ich war auch er Au Pair und lebte zur Zeit im Haus seiner Gastfamilie.

Anfangs war ich selbstverständlich etwas skeptisch – in Deutschland hätte ich nie daran gedacht, einfach in eine andere Stadt zu fliegen und bei einem völlig fremden Jungen zu Hause zu schlafen. Da in Australien jedoch alles anders zu sein scheint, war ich bereit, das Risiko einzugehen und buchte schon bald meinen Flug. Der Junge aus Frankreich erschien mir am Telefon wie ein vernünftiger Kerl und ich hatte die Hoffnung, dass jemand, der Au Pair ist und somit gut mit Kindern umgehen können muss, eigentlich kein ganz schlechter Mensch sein kann.

Als ich dann schließlich am frühen Morgen bei ihm zu Hause ankam, merkte ich schnell, dass ich mit meiner Menschenkenntnis dieses Mal richtig gelegen hatte. Mein Gastgeber war äußerst höflich und hilfsbereit und hatte sogar, ein Handtuch und kleines Shampoo-Fläschchen auf mein Bett gelegt – ich fühlte mich fast wie im Hotel. Ich konnte noch gar nicht glauben, dass ich auf diese Weise tatsächlich für ein paar Tage kostenlos in Melbourne wohnen konnte. Im Gegenzug würde mein Gastgeber dann in der darauffolgenden Woche bei mir zuhause unterkommen, um sich Cairns anzuschauen.

Auch in den nächsten Tagen erwies sich der Franzose als wirklich guter Gastgeber. Er begleitete mich ins Stadtzentrum und zeigte mir einige der vielen schönen Orte, die es in Melbourne zu entdecken gab. Glücklicherweise verstanden wir uns auch ganz gut, so dass es sich nicht komisch anfühlte so viel Zeit mit einer eigentlich fremden Person zu verbringen. Dennoch genoss ich es auch, an einem der Tage die Stadt ganz für mich allein zu erkunden und dabei nicht im Hinterkopf haben zu müssen, dass ich jemanden dabei hatte, der sich vielleicht langweilen könnte.

Melbournes Skyline vom Pier in St. Kilda aus

Auf Entdeckungstour

Durch eine fremde Stadt zu schlendern und dabei zahlreiche neue Orte und Dinge zu entdecken, ist definitiv eine meiner liebsten Beschäftigungen. In Melbourne habe ich genau das getan – ich habe mich dem Großstadt-Getümmel hingegeben und einfach treiben lassen. Zwar hatte ich dabei ein paar Orte im Hinterkopf, die ich gerne sehen wollte, war aber auch bereit mich den Rest der Zeit einfach vom Zufall führen zu lassen.

Bereits an meinem ersten Tag habe ich viel von Australiens zweitgrößter Stadt gesehen, die mir von Anfang an total gut gefiel. Wir stiegen an der bekannten Flinders Street Station aus der Bahn und gingen in Richtung Hozier Lane. Die kleine Seitengasse war berühmt für die Staßenkunst, die es dort zu bestaunen gab. Künstlern war es hier erlaubt, ihrer Kreativität beim Bemalen oder Besprühen der Fassaden freien Lauf zu lassen.

Ich war ziemlich beeindruckt, von den Kunstwerken, die ich in der kleinen Seitengasse zu sehen bekam. Kein Wunder, dass täglich tausende Touristen an diesen Ort kamen, um Bilder zu machen oder den Künstlern bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Auch wir hatten das Glück, zwei Künstler in der Hozier Lane zu entdecken, die gerade mit der Fertigstellung ihrer Werke beschäftigt waren.

Street-Art in der Hozier Lane

Was mich jedoch besonders an diesem Ort faszinierte ist, dass die Fassaden bei jedem Besuch anders aussehen. Kunstwerke sind hier nicht permanent, sondern werden bereits meist nach einigen Wochen von anderen Künstlern übermalt. Auf diese Weise konnte man auch noch bei seinem zehnten Besuch in der Seitengasse immer wieder Neues entdecken und sich von den immer wechselnden Kunstwerken inspirieren lassen.

Von diesem ersten Highlight aus ging es dann bereits zum nächsten. Mein Gastgeber führte mich in Victorias schöne Bücherei – die schönste, die ich bis jetzt gesehen hatte. Auf mehreren Stockwerken konnte man hier nicht bloß nach Büchern stöbern, sondern auch das Innere des Gebäudes bestaunen. Mir gefiel die Atmosphäre dieses Ortes – ich konnte mir gut vorstellen, dort Stunden mit Lesen oder Schreiben zu verbringen, ohne mich zu langweilen.

State Library Victoria

Zum krönenden Abschluss des Tages ging es dann mit der Tram nach St. Kilda an den Strand. Es ist einfach immer wieder schön, am Meer zu sein. Ganz anders als an den Stränden, die ich in Queensland gesehen hatte, tummelten sich am bekannten Melbourner Stand jedoch eine Menge Menschen – aber das gehört wohl zum Großstadt-Leben dazu. Ich war ganz froh, die Stände in der Nähe von Cairns meist mit nur ein paar anderen Besuchern teilen zu müssen.

Luna Park in St. Kilda

Auch an den nächsten Tagen ging es für mich wieder auf Entdeckungstour. Ich schlenderte durch das Melbourner Viertel Fitzroy, dessen Flair mich an das Schanzenviertel in Hamburg erinnerte, genoss die grandiose Aussicht auf dem Balkon des Shrine of Rememberance, spazierte durch den botanischen Garten und besuchte den berühmten Queen Victoria Market. Ich war fasziniert davon, wie viele neue Dinge, ich in so kurzer Zeit gesehen hatte und musste die Erfahrungen, die ich in Melbourne gemacht hatte, erst einmal auf mich wirken lassen.

Aussicht vom Shrine of Rememberance

Eines stand fest: meine künstlerische Bildung war auf diesem Trip definitiv nicht zu kurz gekommen. Neben der vielen Straßenkunst, die ich in Melbourne bestaunen durfte, besuchte ich auch noch einige Galerien, um mich von den Kunstwerken, die es dort zu sehen gab, inspirieren zu lassen. Die wahrscheinlich bekannteste Galerie in Melbourne ist die National Galerie of Victoria. Dort sah ich mir Kunstwerke verschiedenster Künstler aus unterschiedlichen Epochen an. Meine Highlights waren Bilder von Dali und Magritte, sowie eine Bildersammlung, die den Hund eines Künstlers in verschiedenen Posen zeigte.

Eine Ausstellung der ganz anderen Art konnte man im sogenannten ACMI, dem „Australien Centre for the Moving Image“, besuchen. Hier dreht sich alles um Filme, Fernsehen und Videospiele. Bei meinem Besuch dort lernte ich mehr über die Geschichte des Films, „Virtual-Reality“ und testete einige der Videospiele, die man dort spielen konnte – der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt! Im ACMI können jung & alt eine Menge über das digitale Zeitalter lernen, ohne sich zu langweilen.

Silvester auf der Dachterrasse eine Hochhauses

In Melbourne hatte ich nicht nur eine unglaublich schöne Zeit, sondern auch den perfekten Start ins neue Jahr. Ganz unerwartet verbrachte ich Silvester tatsächlich mit ein paar netten Leuten auf der Dachterrasse eines Hochhauses mitten im Stadtzentrum – und das komplett „for free“. Am letzten Tag des Jahres hatte ich zwei andere Reisende in Melbourne kennengelernt und mir mit ihnen den Shrine of Rememberance angeschaut. Eines der Mädchen fragte mich nach meinen Silvesterplänen und lud mich anschließend zu einer kleinen Rooftop-Poolparty mit einem gemeinsamen BBQ ein. Bei solch einem Angebot konnte ich natürlich nicht „Nein“ sagen!

Die Aussicht von der Dachterrasse aus war einfach grandios. Man blickte auf Melbournes riesige Hochhäuser und sah die Stadt einmal aus einer ganz anderen Perspektive. Nachdem wir zu siebt ein leckeres Essen gegrillt hatten, genossen wir es, an diesem schönen Ort sein zu dürfen und warteten auf die Dunkelheit. Alle paar Minuten änderte sich die Farbe des Himmels, der sich in den Fenstern der Hochhäuser spiegelte – einfach bildschön! Die Zeit verging wie im Flug, da war es auch schon kurz vor zwölf. Wir zählten gemeinsam die Sekunden bis zum neuen Jahr, dass in der Melbourner Zeitzone als erstes startete und bewunderten das Mitternachtsfeuerwerk, das wir von unserem Standort aus bestens im Blick hatten. Einfach eine unvergessliche Nacht!

Silvester auf einer Dachterrasse

Nun sitze ich wieder zuhause in Cairns und muss immer noch lächeln, wenn ich an meine Zeit in Melbourne denke. Ich bereue keinen Cent, den ich für diese Reise ausgegeben habe und bin einfach unfassbar dankbar, für die Möglichkeit, hier in Australien so viele neue Orte entdecken zu können. Ich habe hier am anderen Ende der Welt bereits so viele wichtige Erfahrungen gemacht und tolle Menschen kennengelernt – Au Pair zu werden war auf jeden Fall die richtige Entscheidung!

Ein Gedanke zu “Exploring Melbourne

  1. Es sieht so aus, dass du Silvester richtig schön gefeiert hast! Wenn ich jetzt deine Geschichte höre, klingt es wie eine Traumreise, während der du viele interessanten Erfahrungen gesammelt hast. 🙂
    Melbourne war wirklich eine der schönsten Städten, je ich sah. Nach deinem Bild von „Yarra River“ habe ich mich daran erinnert, wie schön der Ausblick da am Abend war.
    Ich war auch mal auf dem Dach von „Eureka Tower“ und den herrlichen Blick ist immer noch in meinem Kopf. Von dieser Dachterrasse sollte es auch genauso so sein.
    Ich bin froh, dass du denkst, dass es richtige Entscheidung für dich war, Au Pair zu werden!
    Liebe Grüße.

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