Exploring El Nido

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“Because you don’t notice the light without a bit of shadow. Everything has both dark and light. You have to play with it till you get it exactly right.”

El Nido, das kleine Städtchen auf der philippinischen Insel Palawan, war das erste Ziel meiner großen Asien-Reise. Zum allerersten Mal in meinem Leben habe ich die „westliche Welt“ verlassen und eine ganz andere Kultur kennengelernt. Ich war zugleich begeistert und schockiert von all dem, was ich auf den Philippinen erlebt und gesehen haben. Denn El Nido selbst ist ein Ort der Kontraste, der vor allem wegen seiner tropischen Temperaturen und der atemberaubend schönen Natur Touristen aus aller Welt anlockt. Hier stehen riesige Hotels und Ferienresorts zwischen heruntergekommenen Blechhütten – hier treffen Locals und Touristen, dessen Leben unterschiedlicher nicht sein könnte, aufeinander.

Eine lange Anreise

Am ersten Juni 2019 war es für mich an der Zeit, mich von Australien zu verabschieden. Meine Reisepartnerin Lauren und ich stiegen in Sydney ins Flugzeug, um uns gemeinsam auf den Weg nach El Nido zu machen. Der erste Zwischenstopp unser langen Anreise war Manila, die Hauptstadt der Philippinen. Dort verbrachten wir bis zu unserem nächsten Flug nach Puerto Princesa eine ganze Nacht am Flughafen, in der wir zum ersten Mal die auf den Philippinen viel genutzten „Tricycles“ sahen und zwei lustige Pastoren kennenlernten.

Früh am Morgen ging es dann endlich weiter. Wir stiegen in das nächste Flugzeug, das uns auf die Insel Palawan bringen sollte. Der Flughafen von Puerto Princesa war jedoch noch längst nicht unser Endziel – vor uns lag noch eine fünfstündige Van-Fahrt in Richtung Norden. Es ging über holprige Straßen mit engen Kurven mitten durch den Regenwald. Zum ersten Mal fühlte es sich wirklich real an, dass wir nun auf den Philippinen waren – am anderen Ende der Welt, in einer ganz anderen Welt. Das, was wir aus dem Fenster des Vans bestaunten, war so anders als all das, was wir zuvor gesehen hatten.

Ankunft in El Nido – erste Eindrücke

Ziemlich erschöpft und schweißgebadet kamen wir nach der langen Reise an unserer Unterkunft in El Nido Town an. Die Hitze, der belebte Straßenverkehr und die hohe Luftfeuchtigkeit machten uns anfangs etwas zu schaffen. In unserem kleinen „Hotelzimmer“, das nur mit einem Ventilator ausgestattet war, versuchten wir etwas abzukühlen und die Eindrücke der neuen Umgebung auf uns wirken zu lassen. Nach der kurzen Pause ging es dann gleich auf Erkundungstour. Wir schlenderten durch die Straßen und machten uns auf die Suche nach einem netten Lokal, wo wir zu Abend essen konnten.

Es dauerte nicht lange, da stellten wir fest, dass hier in El Nido tatsächlich Vieles anders war als in den Ländern, in denen wir unser Leben bis jetzt verbracht hatten. Das kleine Städtchen war stickig und laut – und auch die Hygienestandards waren hier natürlich nicht so hoch wie in unseren Heimatländern. Erst wenn man selbst an solch einem Ort ist, merkt man wie verweichlicht man doch durch das Leben in einem westlichen Land wie Deutschland oder Australien ist. Einem wird plötzlich bewusst, dass viele Dinge, die für uns normal sind, gar nicht so selbstverständlich sind. Frisches Leitungswasser, ein großes Angebot an frischem Obst und Gemüse und eine gesicherte Stromversorgung sind in El Nido keine Selbstverständlichkeit.

So anpassungsfähig wie der Mensch eben ist, dauerte es jedoch nicht lange, bis wir uns an die neue Situation gewöhnt hatten. Wir schraubten unsere Standards herunter und versuchten, die Dinge zu genießen, die wir hatten. Es tut gut, zu merken, dass man eigentlich gar nicht so viel zum Leben braucht – eine saubere Dusche oder eine Klimaanlage sind bei über dreißig Grad Celsius zwar schöner Luxus, ein kleiner Duschkopf über der Toilette und ein Ventilator reichen jedoch auch aus, um über den Tag zu kommen. Und auch das Wissen, dass die meisten Menschen, die hier leben, mit noch viel Weniger auskommen, änderte unseren Blick auf die Welt.

Inselhopping

Wenn der kleine Ort El Nido für eine Sache bekannt ist, dann sind es die beliebten „Inselhopping-Touren“, die dort angeboten werden. Jeden Tag verlassen zahlreiche Schiffe mit vielen Touristen an Board den stadtnahen Strand. Fast jeder Tourist, der nach El Nido kommt, macht solch eine Tour, weshalb es dort zahlreiche Reiseunternehmen gibt, die jene anbieten. Auch wir wollten uns die Chance nicht entgehen lassen, einen Tag auf dem Boot zu verbringen und mehr von der wunderschönen philippinischen Natur zu sehen.

Anfangs waren wir mit unserer Entscheidung für die „richtige“ Tour etwas überfordert. Es gibt in El Nido nämlich nicht nur zahlreiche unterschiedliche Tour-Anbieter, sondern auch vier verschiedene Touren. Tour A, B, C und D führen alle zu den vorgelagerten Inseln El Nidos und machen an verschiedenen Orten Halt. Wegen ihres Stopps an der sogenannten Big bzw. Small Lagoon sind Tour A und C die beliebtesten und somit auch am meisten gebuchten Touren. Nach langem Überlegen entschieden Lauren und ich uns für Tour A. Viel falsch machen kann man bei der Entscheidung für eine der Touren wahrscheinlich sowieso nicht – schließlich ist die gesamte Natur vor der Küste des Städtchens wunderschön.

Ganz nach dem Motto: „Das Beste kommt zum Schluss.“, beschlossen wir, die Tour an unserem letzten Tag in El Nido zu machen. Als wir am Morgen jenen Tages aufwachten, bereuten wir unsere Entscheidung jedoch. Es goss in Strömen – weit und breit war kein blaues Stückchen am Himmel zu sehen. Nach einem kurzen Moment der Enttäuschung stellten wir beide dann aber fest, dass es nichts brachte, sich über das unpassende Wetter zu ärgern. Wir konnten schließlich sowieso nichts an dieser Situation ändern – warum also nicht mal wieder versuchen, das Beste aus allem zu machen? Das hatten wir in den letzten Tagen doch so gut gelernt.

Als wir vom Regen durchnässt auf das Boot geführt wurden, erwartete uns bereits die nächste Überraschung. Der Motor des Gefährts, dass uns den ganzen Tag von Insel zu Insel bringen sollte, wollte einfach nicht anspringen. Die Mitarbeiter des Reiseunternehmens gaben ihr Bestes, das Boot zum Laufen zu bringen und die Gäste positiv zu stimmen. Wir drückten die Daumen und glaubten einfach daran, dass sich alles noch zum Guten wenden würde. Und es klappte – wenig später stachen wir in See und sahen auch schon bald die ersten Sonnenstrahlen hinter den Wolken hervorkommen.

Die Tour war dann auch genauso schön, wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir schwammen in wunderschönen Lagunen, sahen strahlend blaues Wasser und genossen eine Stunde am bilderbuchartigen 7 Commandos Beach. Mittags gab es dann auch noch ein leckeres Buffet mit frischen Fisch und Obst – alles im Preis, den wir für die Tagestour gezahlt hatten (1400 Pesos plus 200 Pesos „Environmental Fee“), inklusive.

Ein Ausflug zum Lio Beach

Wenn wir schon einmal auf den Philippinen waren, dann wollten wir selbstverständlich auch möglichst viel Zeit an den schönen Stränden, die es dort gab, verbringen. El Nido Town selbst hat zwar auch einen Strand, jedoch gehörte dieser nicht zu den Allerschönsten, die man auf Palawan sehen kann. Wir beschlossen deshalb, an unserem ersten ganzen Tag einen Ausflug zum sogenannten „Lio Beach“ nördlich von El Nido Town zu machen. Ganz zu unserer Überraschung gab es dorthin sogar einen kostenlosen Shuttle-Bus, der jede Stunde fuhr. Wir nutzten diesen praktischen Service selbstverständlich und erreichten bereits eine Viertelstunde, nachdem wir in den Bus gestiegen waren, Lio Beach.

Der schöne Privatstrand stellte sich als wahres Paradies heraus. Gleich beim Aussteigen aus dem Shuttle-Bus blickten wir auf das türkisblaue Meer, das hinter Palmen und anderen Bäumen zum Vorschein kam. An den Bäumen hingen große Holzschaukeln, die den schönen Lio Beach noch idyllischer wirken ließen. Hier schien die Welt noch in Ordnung zu sein – so ganz anders als am Strand von El Nido Town war es hier sauber und ruhig. Wir mussten den wunderschönen Ort mit nur wenigen weiteren Besuchern teilen, wodurch wir uns fast ein bisschen wie auf einer einsamen Insel fühlten.

Wenn man jedoch beginnt, mehr über solche Orte nachzudenken, sind auch diese mit einem bitteren Beigeschmack verbunden. Denn alles, was den Lio Beach ausmacht, hat wenig mit dem authentischen philippinischen Leben zu tun. Die westlich geprägten Restaurants, die Schaukeln und der Shuttle-Bus sind alle Dinge, die nur für die Touristen ins Leben gerufen worden. Es waren auch fast ausschließlich Gäste der umliegenden Hotels und Resorts, auf die wir am Strand trafen. Viele von ihnen schienen die Hotelanlagen und Lio Beach kaum zu verlassen. Ich konnte kaum glauben, wie einfach es doch war, die Augen vor der traurigen Seite El Nidos zu verschließen. Wer die Armut der Menschen in El Nido und den negativen Einfluss des Tourismus nicht sehen und spüren wollte, musste bloß auf seiner Hotelanlange bleiben – ein Art von Urlaub, die für uns nicht in Frage kam.

Unvergessliche Erfahrungen

Zurückblickend war unser Aufenthalt in El Nido eine unvergessliche Erfahrung. Wir haben so viel Neues gesehen und dabei voll und ganz unsere Komfortzone verlassen. Zum ersten Mal in unserem Leben haben wir nicht nur drüber gesprochen, sondern wirklich zu spüren bekommen, dass es Orte gibt, an denen die Lebensstandards ganz anders sind als die, die wir gewohnt sind. El Nido hat uns sowohl fasziniert, als auch schockiert. Es war genauso schön die atemberaubende Natur um El Nido herum zu sehen, wie es traurig war, die Armut der Einheimischen dort zu spüren.

An diesem Ort haben wir schnell gemerkt, dass wir eigentlich nicht so wirklich erwünscht sind. Der Tourismus ist in El Nido für die Einheimischen, wie an so vielen Orten, zugleich Unheil und Segen. Er bietet einerseits die Chance, etwas Geld zu verdienen, zerstört auf der anderen Seite jedoch Kultur und Natur. Im Nachhinein kann ich gut verstehen, dass wir von den Einheimischen El Nidos mit kritischen Augen beäugt wurden und uns nicht immer mit Freundlichkeit entgegengekommen wurde. Wie so viele andere Menschen hier waren auch wir ein Teil des Problems – wir waren schließlich selbst Touristen.

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