Die Zeit rennt – der Abschied naht

Australia

„How did it get so late so soon? – Dr- Seuss

Ich fühle mich wie im Flug – im Flug durch Raum und Zeit. Tage, Wochen, Monate ziehen in Windeseile an mir vorbei. „Wo ist die Zeit geblieben?“, frage ich mich. „Wie kann meine Zeit als Au Pair in Australien bloß so schnell vergangen sein?“. Mehr als sechs Monate lebe ich nun schon bei meiner Gastfamilie am anderem Ende der Welt. Weniger als ein Monat hier in Cairns bleibt mir noch. Der Abschied von all den Menschen, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe, naht.

Es ist verrückt – einerseits fühle ich mich, als wäre ich erst vor wenigen Wochen nach Australien gereist, weil ein halbes Jahr einfach so schnell vergangen ist. Andererseits kommt es mir vor, als würde ich meine Gastfamilie schon ewig kennen – als würde ich hier schon lange leben. In einer gefühlt so kurzen Zeit habe ich so viel erlebt, dass bereits Jahre vergangen sein könnten. Mein Zeitgefühl steckt voller Widersprüche. Nur Eines steht fest: Egal wie gefühlt schnell oder langsam die Zeit vergehen mag, der Großteil meines Auslandsabenteuers liegt bereits hinter mir.

Genauso widersprüchlich wie mein Gefühl für die Zeit sind auch alle anderen Emotionen in mir. Meine Gefühlswelt befindet sich irgendwo zwischen Angst vor dem Abschied und Vorfreude auf den Aufbruch. Ich möchte nicht gehen, doch kann es kaum erwarten, weiterzureisen und zurückzukehren. Meine derzeitige Situation hat zwei Seiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Keines meiner Gefühle überwiegt – denn es tut genauso weh, meine unfassbar liebgewonnene Gastfamilie zu verlassen, wie es sich gut anfühlt, meine liebsten Menschen bald wiederzusehen.

Der anstehende Abschied wird kein leichter sein. Wenn ich nur daran denke, bald „Tschüss“ sagen zu müssen, habe ich einen Kloß im Hals. Die beiden Kinder, auf die ich das letzte halbe Jahr aufgepasst habe, sind mir so sehr ans Herz gewachsen. Zu wissen, dass ich sie in den nächsten Jahren wahrscheinlich erstmal nicht wiedersehen werde, bricht mir das Herz. Denn anders als beim Abschied von meinen Liebsten in Deutschland, weiß ich nicht, wann ich zurück nach Cairns kehren werde. Der Gedanke daran, für lange Zeit von der Familie, mit der ich die letzten sechs Monate zusammengelebt habe, getrennt zu sein, ist ziemlich angsteinflößend und erscheint fast irreal.

Doch jeder Abschied ist zugleich der Beginn von etwas Neuem. Mit meiner Rückkehr nach Deutschland beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Ich bin gespannt auf all das, was vor mir liegt – freue mich auf neue Erfahrungen und altbekannte Menschen, die zuhause auf mich warten. Die ersten Schritte auf meinem neuen Weg führen mich jedoch nicht gleich zurück nach Hause. Bevor ich meinen Heimathafen in Hamburg anpeile, möchte ich noch etwas mehr von der Welt sehen. Ich werde einen Monat lang durch Asien reisen, um neue Orte zu entdecken und mich von fremden Kulturen inspirieren zu lassen.

Ich fühle mich nicht bereit zu gehen, doch bin auf jeden Fall bereit für anstehende Abenteuer und die Rückkehr zu meinen Liebsten – das ist wohl der Widerspruch des Weiterreisens.

Vom Vermissen

Australia

„Their absence is so big like they are there.“

Fast ein halbes Jahr ist nun bereits vergangen, seit ich zu meiner großen Reise ans andere Ende der Welt aufgebrochen bin – Fast seit sechs Monaten habe ich meine Liebsten nicht mehr gesehen. In dieser Zeit habe ich so viel erlebt und gelernt und jeden Augenblick, den ich bis jetzt in Australien verbringen durfte, mehr als genossen. Und dennoch ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht an sie gedacht habe. Sie sind die Menschen, die ich von ganzem Herzen liebe. Die Menschen, die in Deutschland auf mich warten. Ich kann es kaum erwarten, sie bald wieder in die Arme schließen zu können.

Obwohl ich gerade so weit weg von meinem Zuhause – dem Ort an dem ich aufgewachsen bin – lebe, überkommt mich richtiges Heimweh ziemlich selten. Ich fühle mich hier einfach so wohl und habe so viel zu tun, dass meine Sehnsucht nach meiner Heimat sich die meiste Zeit in Grenzen hält. Die Sehnsucht nach den Menschen, die dort leben und die ich liebe ist allerdings stetig groß – jedoch nicht auf bedrückende Art und Weise. Viel mehr ist es ein Gefühl der Dankbarkeit, diese Menschen in meinem Leben zu haben, auch wenn sie mir gerade physisch nicht nah sind. Es ist eine Sehnsucht danach, all die aufregenden und unvergesslichen Dinge, die ich hier erlebe, mit meinen Liebsten teilen zu können – denn Nichts wäre schöner als das.

All die atemberaubenden Orte, die ich hier in Australien bereits gesehen habe, würde ich unfassbar gerne meinen Freunden am anderen Ende der Welt zeigen. Ich wünschte, es wäre möglich sie nicht nur mit Hilfe von Worten, über mein derzeitiges Leben auf dem Laufenden zu halten, sondern all die Erlebnisse mit ihnen teilen zu können. Freude und Begeisterung werden größer, wenn man sie teilt – ach so gerne würde ich meine mit ihnen teilen. Schon bei so vielen Ausflügen zu den verschiedensten Orten, musste ich an einen meiner Liebsten denken, dem es dort mit Sicherheit gefallen würde.

Egal wie viel oder wenig Kontakt wir haben – die Freundschaft zu meinen echten Freunden ist noch genauso eng wie vor meiner Abreise. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für die Liebe zu meiner Familie. Und genau aus diesem Grund macht mich der Gedanke an Zuhause viel mehr glücklich als traurig. Meine Freude, solch tolle Menschen in meinem Leben zu haben – wenn auch viele tausend Kilometer von mir entfernt – ist stärker, als die Traurigkeit darüber, physisch von ihnen getrennt zu sein.

Exploring Cairns – Meine 5 Lieblingsorte

Australia, exploring places

„Let´s find some beautiful place to get lost.“

Da ich nun schon seit mehr als vier Monaten in Cairns lebe, kenne mich inzwischen ganz gut in der Stadt und ihrer Umgebung aus. Ich hatte eine Menge Zeit, um auf Entdeckungstour zu gehen und neue Orte zu erkunden. Ein paar dieser Orte haben mir es so angetan, dass es nicht bei einem einzigen Besuch geblieben ist. So oft ich kann, kehre ich an jene zurück, um die dortige Atmosphäre zu genießen. Es sind genau diese Orte, die ich meine liebsten nenne.

Fairy Falls

Wenn ich mich für einen Wasserfall entscheiden müsste, an den ich immer wieder zurückkehren könnte, dann wäre dieser mit Sicherheit „Fairy Falls“. Der kleine Wasserfall, der sich direkt neben den Crystal Cascades befindet, ist ein echter Geheimtipp. Nicht viele Leute scheinen von diesem ganz besonderen Spot zu wissen. Dementsprechend hat man nicht selten das Glück, diesen Ort ganz für sich allein zu haben. Ich genieße es jedes Mal sehr, dort zu sein und in dem kühlen Wasser Schwimmen zu gehen. Was Fairy Falls so besonders macht, ist ein riesiger Baumstamm, der mitten im Wasserfall lehnt. Wenn es einem gelingt, jenen hochzuklettern, kann man sich auf ein in den Felsen befestigtes Seil setzten und über das Wasser schaukeln.

Palm Cove

Wie heißt es so schön: „Das Leben ist besser am Strand:“ – ein Sprichwort, das für mich voller Wahrheit steckt. Zum Glück muss ich gar nicht weit fahren, um einen wirklich schönen Strand zu erreichen. Palm Cove ist nur 30 Minuten von Cairns entfernt und hat alles, was man sich von einem Strand wünscht: feinen Sand, Palmen und Meeresrauschen. Wenn das Wetter stimmt und ich genug Zeit für einen kleinen Ausflug habe, treibt es mich oft an diesen Ort, an dem ich mich ausgiebig sonnen und im Meer baden kann.

Rusty´s Market

„Obst-Jagt“ auf „Rusty´s Market“ ist zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen an Sonntagen geworden. Auf dem Markt, der jedes Wochenende geöffnet hat, kann man frisches Obst und Gemüse zu wirklich guten Preisen kaufen. An Sonntagen kurz vor Marktschluss, wenn die Verkäufer noch schnell ihre letztes Lebensmittel loswerden wollen, fühlen sich Schnäppchenjäger auf Rusty´s Market besonders wohl. Für unschlagbare $2 habe ich dort in der letzten Woche ganze 29 Mangos erstanden – das nenne ich mal ein echtes Schnäppchen!

Fitzroy Island

Unter meinen Top-5-Orten in und um Cairns darf die schöne Insel Fitzroy Island auf keinen Fall fehlen. Dort einen Tag zu verbringen, ist, als würde man einen Ausflug ins Paradies machen. Bis jetzt bin ich noch an keinem schöneren Ort als auf dieser kleinen, tropischen Insel gewesen. Es ist ein wahrer Luxus, in einer Stadt zu leben, von der aus man nur etwa 50 Minuten mit einer Fähre fahren muss, um solch eine traumhafte Insel zu erreichen. Bei meinem ersten Besuch haben mir der Korallenstrand und das kristallklare Wasser, in dem man bestens Schnorcheln kann, die Sprache verschlagen.

Zuhause in Bayview Heights

Hier in Cairns habe ich nicht nur viele schöne Orte, sondern auch mein zweites Zuhause gefunden. In dem Haus meiner unfassbar lieben Gastfamilie fühle ich mich inzwischen fast genauso wohl wie in der Wohnung, in der ich aufgewachsen bin. Ich verbringe gerne Zeit hier in Bayview Heights und möchte gar nicht daran denken, mich bald von meiner Gastfamilie verabschieden zu müssen. Mein australisches Zuhause gehört nicht bloß zu meinen liebsten Orten in Cairns – dieser Ort ist nun auch ein wichtiger Teil meines Lebens, den ich für immer in Erinnerung behalten werde.

The little things

Australia, being human

„I hope I never get tired of the night sky, of thunderstorms, of watching cream make galaxies in coffee. I hope I never grow to be someone who can no longer see the small beautiful things.“

Sei es die nette Geste eines Fremden, ein Spaziergang am Strand, Kaffee am Morgen oder die Umarmung eines Freundes – es sind, wie man so schön sagt, vor allem die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen. In meiner bisherigen Zeit in Australien habe ich zahlreiche solcher kleinen Momente erlebt – Momente, die mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben und mir immer wieder gezeigt haben, wie schön das Leben doch ist.

Nette Locals

Von Anfang an hatte ich das Gefühl hier in Cairns von lauter netten Menschen umgeben zu sein. Nicht nur meine Gastfamilie war total liebenswürdig und herzlich, sondern auch die meisten anderen Menschen hier schienen wesentlich freundlicher zu sein, als ich es von Deutschen gewohnt war. Vielleicht sind es ja die wohlig warmen Temperaturen und die vielen Sonnenstunden, die die Menschen hier so freundlich machen – ganz genau weiß man es nicht. Mich macht es jedenfalls sehr glücklich, auf der Straße von Fremden angelächelt und gegrüßt zu werden, oder in der Stadt mit einem offenen Local ins Gespräch zu kommen.

Ich gehe hier morgens regelmäßig joggen und treffe dabei meist auf viele andere Leute – überwiegend Hundebesitzer – aus der Nachbarschaft. Von den meisten Spaziergängern werde ich stets mit einem strahlenden Lächeln und einem „Good Morning!“ begrüßt – so startet es sich doch gut in den Tag. Inzwischen kenne ich sogar schon den Namen eines Hundes mit dessen Besitzer ich eines Morgens ins Gespräch gekommen bin, nachdem wir einander viele Tage in Folge einen guten Morgen gewünscht hatten. Eine andere alte Dame, die mich während meines Laufens stoppte, um mir etwas mitzuteilen, zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht, als sie sagte, dass sie sich immer sehr freue, mich morgens zu sehen.

Doch es sind nicht nur nette Worte wie diese, sondern auch besondere Gesten, durch die mir hier schon oft der Tag versüßt wurde. Als ich an einem meiner freien Tage mit dem Auto meiner Gastfamilie zu einem Wasserfall fuhr und umparken wollte, startete der alte Honda einfach nicht mehr. Da sich mein Wissen über Autos auf das Nötigste beschränkt, bat ich die nächsten Menschen, die mir über Weg liefen, um Hilfe. Einem hilfsbereiten Local gelang es, das Auto zu starten und auf einem Hügel zu parken.

Als ich einige Stunden später vom Schwimmen im Wasserfall zurückkam, fand ich einen kleinen Zettel an der Windschutzscheibe. Der nette Mann, der mir mit dem Auto geholfen hatte, hatte seine Telefonnummer und ein paar nette Sätze hinterlassen – bei weiteren Problemen mit dem Auto, könne ich ihn einfach anrufen. Ich war wirklich überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft, die mir hier entgegnet wurde und schrieb meinem Helfer gleich eine SMS, in der ich mich bei ihm bedankte – ohne seine Hilfe hätte ich es nicht so einfach nach Hause geschafft.

Die kleinen Wunder der Natur

Neben den ausgesprochen freundlichen Menschen sind es auch die kleinen Wunder der Natur, die mich hier so glücklich machen. Cairns hat so viel Schönes zu bieten – es gibt zahlreiche Orte, an denen man jedes Zeitgefühl verliert. Doch es sind eben nicht nur die großen Wasserfälle und die bilderbuchartigen Strände, die es würdig sind, wertgeschätzt zu werden – es sind auch die kleinen Zauber der Natur, die mein Leben bereichern. 

Morgens aufzuwachen und das Zwitschern der Vögel zu hören, hat mir schon immer gut gefallen – vielleicht schlafe ich auch aus diesem Grund so gerne im Wohnwagen, durch dessen dünne Wände man die Geräusche draußen besonders gut hört. Die Gesänge der Vögel hier in Cairns sind jedoch mit denen, die man in Deutschland hören kann, kaum zu vergleichen. Noch nie zuvor hatte ich so vielfältiges und schönes Vogelgezwitscher gehört wie hier in den Tropen. 

Mindestens genauso schön wie die Vogelgesänge sind die Schmetterlinge die man in Cairns sehen kann. Um diese schönen Tiere zu Augen zu bekommen, muss ich mich bloß auf die Terrasse setzen. Unser Garten ist ein wahres Paradies für Schmetterlinge aller Art – kleine, große und vor allem bunte Schmetterlinge fühlen sich hier in Cairns genauso wohl wie ich. Es hat etwas Beruhigendes, diese kleinen Wunder der Natur beim Fliegen beobachten zu dürfen.

Wenn es um die Schönheit der Natur geht, darf man eines natürlich nicht vergessen: den Himmel. Es fasziniert mich jedes Mal wieder, in welch schönen Farben er erstrahlen kann. Bei meiner morgendlichen Joggingrunde die Sonne über den Hügeln von Bayview Heights aufgehen zu sehen, gehört definitiv zu den kleinen Dingen, die mein Leben bereichern.

Zwischen Alltag und Abenteuer

Australia

„Balance in life is the key to everything.“

Halbzeit – es sind bereits ganze drei Monate vergangen, seit meine Zeit als Au Pair in Australien begonnen hat. Drei Monate voller neuer Erfahrungen und spannender Entdeckungstouren – aber auch voller „Familienleben“. Es fühlt sich inzwischen nicht mehr so an, als wäre ich in einem langen Urlaub. Ich bin voll und ganz im Au Pair Alltag angekommen. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass jeder Tag gleich verläuft. Die Kids und die zahlreichen Ausflüge, die ich hier mit meinen Freunden mache, bringen eine Menge Abwechslung in mein Leben. Ich schwebe buchstäblich zwischen Alltag und Abenteuer.

Exploring Melbourne

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„There’s something about arriving in new cities, wandering empty streets with no destination. I will never lose the love for the arriving but I’m born to leave.“

Charlotte Eriksson

Jetzt, wo ich nun schon ganze zwei Monate in Cairns lebe, wurde ich mal wieder vom Fernweh ergriffen. Ich wollte die freie Zeit während des Urlaubs meiner Gastfamilie nutzen, um eine neue Stadt zu erkunden – Ich wollte mehr von Australien sehen. Aus diesem Grund entschied ich mich ziemlich spontan dazu, für ein paar Tage nach Melbourne zu fliegen. Die Stadt, die nicht nur die zweitgrößte Australiens, sondern auch die lebenswerteste der Welt ist, war für mich schon lange ein Ort, den ich unbedingt einmal besucht haben wollte.

Nun – am Ende meiner Reise – kann ich sagen, dass es auf jeden Fall die richtige Entscheidung war, nach Melbourne zu fliegen. In so wenigen Tagen habe ich so viel gesehen und erlebt – ich habe Silvester auf dem Dach eines Hochhauses gefeiert, bei einem vorher völlig fremden Au Pair zu Hause gelebt, neue Bekanntschaften geschlossen und die vielen schönen Orte der Stadt erkundet. In Melbourne habe ich Erfahrungen gemacht, von denen ich wahrscheinlich noch mein ganzes Leben etwas haben werden.

Yarra River

5 Dinge, die ich in meinen ersten Wochen als Au Pair gelernt habe

Australia

“One never reaches home,‘ she said. ‚But where paths that have an affinity for each other intersect, the whole world looks like home, for a time.”
― Hermann Hesse

  1. Es ist schön, die Welt noch einmal mit den Augen eines Kindes zu sehen.
    Als Au Pair verbringt man eine Menge Zeit mit den Kindern – fast jeden Tag wird gebastelt, getobt und gespielt. Hier in Cairns gehe ich nun wieder auf Spielplätze, baue Häuser aus Lego und spiele Verstecken. Au Pair Sein ist für mich quasi die zum Leben erweckte Erinnerung an meine Kindheit. Noch einmal kann ich auf diese Weise selbst miterleben, wie es sich anfühlt, langsam groß zu werden.

    Kleine Dinge erscheinen plötzlich wieder so gigantisch, wenn man mit den Augen eines Kindes auf sie blickt. Ein Spielzeug ist nicht bloß ein Spielzeug, sondern das Tor zu einer anderen Welt – der Welt der Fantasie und der Vorstellungskraft. Ich bin dankbar, mit Lincoln und Scarlett ein weiters Mal diese Welt zu erkunden und daran erinnert zu werden, was ich doch selbst für eine schöne Kindheit hatte.

  2. Es läuft selten alles wie geplant.
    In einer großen Familie gibt es manchmal auch ein großes Durcheinander. Es werden zwar Pläne gemacht, jene jedoch oft über den Haufen geworfen oder durch neue Pläne ersetzt – immer kommt irgendetwas dazwischen. So manches Mal wird für die Kids ein spontanes „Play-Date“ organisiert oder Freunde der Familie kommen unangekündigt zum Abendessen vorbei.

    Spontanität wird in meiner Gastfamilie großgeschrieben. Dementsprechend sind natürlich auch meine Arbeitszeiten sehr flexibel. An manchen Tagen bin ich die meiste Zeit mit den Kindern beschäftigt oder helfe der Familie im Haushalt, an anderen Tagen steht fast gar keine Arbeit an. Meinen Alltag zu planen ist deshalb nicht immer ganz so einfach – ich lebe vielmehr in den Tag hinein und lasse von dem überraschen, was dieser bringt. Wenn ich jedoch einmal größere Unternehmungen, wie einen Ausflug zu Great Barrier Reef, machen will, gibt sich meine Gastfamilie jedes Mal größte Mühe, mir einen bestimmten Tag freizuhalten – so gelingt mir hier die fast perfekte Balance zwischen Arbeit und Abenteuer.

  3. Man muss nur offen sein, um neue Leute kennenzulernen.
    Anders als Backpacker, die einen Großteil ihrer Zeit in Hostels verbringen, trifft man als Au Pair nicht automatisch auf neue Leute. Wenn man als Au Pair auf Gleichgesinnte treffen und Freundschaften schließen will, dann sollte man vor allem offen sein und auf andere zugehen. Sei es in der Stadt, an Cairns beliebter Lagune oder an einem Wasserfall – hier gibt es eigentlich überall Leute, die gerne neue Kontakte knüpfen würden. Meistens geht es nur darum, dass jemand den ersten Schritt macht. Es braucht nicht viel mehr als ein Lächeln oder ein einfaches „Hallo!“, um eine Verbindung zu schaffen.

    Heutzutage sind natürlich auch soziale Netzwerke eine gute Alternative, wenn man auf der Suche nach neuen Bekanntschaften und „Travelmates“ ist. Ich selbst war bis ich nach Australien kam nie ein großer Fan von Facebook. Da ich dann jedoch hörte, dass es auf dieser Plattform zahlreiche Gruppen für Au Pairs und Backpacker in und um Cairns geben soll, beschloss ich, mir für meine Zeit als Au Pair einen Facebook Account zu erstellen. Ich kann nun sagen, dass das auf jeden Fall eine gute Entscheidung war – auch dank Facebook habe ich hier schon eine Menge tolle Reisende kennengelernt und spontane Tripsgemacht.

  4. Die Zeit vergeht wie im Flug.

    Ich bin nun tatsächlich schon seit fast zwei Monaten als Au Pair in Australien. Weihnachten und Neujahr stehen vor der Tür und ich fühle mich, als wäre noch immer Juli – was natürlich größtenteils auch an den tropischen Temperaturen in Cairns liegt. Wenn ich zurückblicke und an den Tag meines Abflugs denke, fühlt es sich an, als hätte ich Deutschland erst vor ein paar Tagen verlassen. Obwohl ich nun schon seit vielen Wochen meine Familie und meine Freunde nicht mehr gesehen habe, fühle ich mich ihnen immer noch nah.

    Ich kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit doch vergangen ist. Ein Drittel meines halben Jahres als Au Pair liegt nun bereits hinter mir – acht Wochen voller unvergleichlicher Erfahrungen, spannender Trips und neuer Freundschaften. So viel Spaß wie ich hatte, ist es kein Wunder, dass ich mich fühle wie im Flug.

  5. Eine nette Gastfamilie ist das A&O.

    Um sich am anderen Ende der Welt als Au Pair wohl zu fühlen, braucht man vor allem eins: eine nette Gastfamilie. Ich kann mein Glück noch gar nicht fassen, weil ich tatsächlich das Gefühl habe, nicht nur eine nette, sondern die zu mir perfekt passende Gastfamilie gefunden zu haben. Mit den beiden Kindern habe ich mich von Anfang an total gut verstanden – auf sie aufzupassen und mit ihnen zu spielen, fühlt sich definitiv nicht wie Arbeit an.

    Und auch meine Gasteltern sind einfach super. Sie stehen mir immer zur Seite und tuen ihr Bestes, um mir das Gefühl zu geben, ein Teil der Familie zu sein. Dank der Gastfreundschaft, die mir hier entgegengebracht wird, fühle ich mich hier – am anderen Ende der Welt – wirklich wie zuhause.

Schnorcheln am Great Barrier Reef

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“My soul is full of longing
for the secret of the sea,
and the heart of the great ocean
sends a thrilling pulse through me.”
― Henry Wadsworth Longfellow

Schnorcheln am weltbekannten Great Barrier Reef gehört wahrscheinlich zu den Dingen, die viele Leute – darunter auch ich – auf ihrer „Bucket List“ stehen haben. Einmal mit Fischen, Schildkröten und Haien durch das glasklare Wasser tauchen und das einmalige Korallenriff bestaunen. Dass ich mir schon in so jungen Jahren diesen Wunsch erfüllen konnte, hätte ich mir im Leben nicht erträumen können. Ich bin unglaublich dankbar, hier in Cairns diese unvergleichliche Erfahrung gemacht haben zu dürfen.

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Exploring the Daintree Rainforest

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“The clearest way into the Universe is through a forest wilderness.”
― John Muir

Wer eine längere Zeit in Queensland verbringt, der sollte sich unbedingt einen Tag frei halten, um den Daintree Rainforest nördlich von Cairns zu besuchen. Die Region, die von Cairns aus in etwa zwei Stunden Autofahrt erreichbar ist, umfasst mit circa 12000 Quadratkilometern den größten zusammenhängenden Abschnitt tropischen Regenwalds in ganz Australien. Außerdem trifft nur an diesem Ort der Regenwald auf die australische Ostküste. Tatsächlich ist das aber noch längst nicht alles, was den Daintree Rainforest so besonders macht. Dieser Regenwald ist tatsächlich der älteste der Welt und beherbergt tausende verschiedener Tier- und Pflanzenarten – ein absolut sehenswerter Ort!

Wandern Richtung Wasserfall – Cairns wunderschöne Schwimmspots

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Regenwald, Wasserfälle & wunderschöne Wanderwege – all das kann man hier im Norden der australischen Ostküste entdecken. Ich muss nur wenige Kilometer mit dem Auto von Cairns aus Richtung Norden oder Süden fahren und schon befinde ich mich mitten im Regenwald – abseits jeglicher Zivilisation. Hier hört, sieht und riecht man nichts als Natur – man befindet sich buchstäblich mitten in der Wildnis.

Rund um Cairns befinden sich nicht bloß ein oder zwei, sondern zahlreiche Wasserfälle und Schwimmspots mitten im Regenwald. Gleich in meinen ersten Wochen hier machte ich mich mit meinen neuen Freunden auf den Weg, um einige dieser zu erkunden.