Vom Vermissen

Australia

„Their absence is so big like they are there.“

Fast ein halbes Jahr ist nun bereits vergangen, seit ich zu meiner großen Reise ans andere Ende der Welt aufgebrochen bin – Fast seit sechs Monaten habe ich meine Liebsten nicht mehr gesehen. In dieser Zeit habe ich so viel erlebt und gelernt und jeden Augenblick, den ich bis jetzt in Australien verbringen durfte, mehr als genossen. Und dennoch ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht an sie gedacht habe. Sie sind die Menschen, die ich von ganzem Herzen liebe. Die Menschen, die in Deutschland auf mich warten. Ich kann es kaum erwarten, sie bald wieder in die Arme schließen zu können.

Obwohl ich gerade so weit weg von meinem Zuhause – dem Ort an dem ich aufgewachsen bin – lebe, überkommt mich richtiges Heimweh ziemlich selten. Ich fühle mich hier einfach so wohl und habe so viel zu tun, dass meine Sehnsucht nach meiner Heimat sich die meiste Zeit in Grenzen hält. Die Sehnsucht nach den Menschen, die dort leben und die ich liebe ist allerdings stetig groß – jedoch nicht auf bedrückende Art und Weise. Viel mehr ist es ein Gefühl der Dankbarkeit, diese Menschen in meinem Leben zu haben, auch wenn sie mir gerade physisch nicht nah sind. Es ist eine Sehnsucht danach, all die aufregenden und unvergesslichen Dinge, die ich hier erlebe, mit meinen Liebsten teilen zu können – denn Nichts wäre schöner als das.

All die atemberaubenden Orte, die ich hier in Australien bereits gesehen habe, würde ich unfassbar gerne meinen Freunden am anderen Ende der Welt zeigen. Ich wünschte, es wäre möglich sie nicht nur mit Hilfe von Worten, über mein derzeitiges Leben auf dem Laufenden zu halten, sondern all die Erlebnisse mit ihnen teilen zu können. Freude und Begeisterung werden größer, wenn man sie teilt – ach so gerne würde ich meine mit ihnen teilen. Schon bei so vielen Ausflügen zu den verschiedensten Orten, musste ich an einen meiner Liebsten denken, dem es dort mit Sicherheit gefallen würde.

Egal wie viel oder wenig Kontakt wir haben – die Freundschaft zu meinen echten Freunden ist noch genauso eng wie vor meiner Abreise. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für die Liebe zu meiner Familie. Und genau aus diesem Grund macht mich der Gedanke an Zuhause viel mehr glücklich als traurig. Meine Freude, solch tolle Menschen in meinem Leben zu haben – wenn auch viele tausend Kilometer von mir entfernt – ist stärker, als die Traurigkeit darüber, physisch von ihnen getrennt zu sein.

Lines about a special bond

lines about my loved

„you remind me of my favorite metropolis
sparkling, loud yet hauntingly sad when
the light goes out
your confidence; a popular skyscraper
your sadness; an old orphanage
your anger; a call of riot
your tears; an uninvited storm
i cannot thank you enough
for reminding me that cities too breathe
and humans too carry a heart of concrete“

– Noor Unnahar

Wahre Freundschaft ist etwas Mächtiges. Sie schafft Verbindungen, die Altersgrenzen und Entfernungen überwinden – Verbindungen, die schwer zu durchbrechen sind. Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Freundschaft etwas ganz Besonderes ist. Sie und ich scheinen einfach gut zu harmonieren. Wir mögen vielleicht nicht ganz im selben Alter sein und auch leider nicht in der selben Stadt wohnen, doch das ändert nichts daran, dass wir uns einander eng verbunden fühlen. Sie ist ein Mensch, den ich in meinem Leben auf keinen Fall vermissen möchte – eine Freundin, die mir wirklich sehr ans Herz gewachsen ist.

Die Umstände, unter denen wir uns kennengelernten, sind wahrscheinlich genauso speziell wie unsere enge Verbindung selbst. Denn sie ist nicht nur die Freundin einer Freundin, sondern auch die Schwester einer Person, der ich einmal sehr nahe stand. Vor einigen Jahren lernte ich sie also durch meine Beziehungen zu diesen anderen Menschen kennen. Von Anfang an war sie mir sehr sympathisch. Da mein Fokus zu dieser Zeit jedoch noch sehr auf ihrem Bruder lag, dauerte es einige Zeit, bis sich zwischen uns eine richtige Freundschaft entwickelte.

Je besser ich sie kennenlernte, desto mehr wurde mir bewusst, was für ein toller Mensch sie eigentlich ist. Sie hat so ein gutes Herz und steckt voller Intelligenz, an der sie sich leider manchmal den Kopf zerbricht. Ich genieße es sehr, Zeit mit ihr zu verbringen, meine Gedanken mit ihr zu teilen. Sie ist ein Mensch voller Leben und Gefühl, dessen Emotionalität ansteckend ist. Wann immer wir zusammen sind, scheine ich selbst viel mehr zu fühlen und die kleinen Zauber des Lebens besser wahrzunehmen. Sie erinnert mich immer wieder daran, was es bedeutet Mensch zu sein, da sie selbst menschlicher nicht sein könnte.

Es ist wichtig, Freundschaften wie unsere zu haben – Freundschaften, die tiefgründiger sind, als sich bloß zu Treffen und über Alltägliches zu unterhalten. Sie ist ein Mensch mit dem ich lachen und weinen – meine Emotionen teilen – kann. Gegenseitig unterstützen wir uns in jeder Lebenslage und inspirieren einander. Sie hat mich dazu inspiriert, diesen Blog zu starten. Er sollte ursprünglich besonders ihr als Halt und Inspiration dienen, wenn ich nicht an ihrer Seite ihr sein kann. Wann immer ich einen Blogbeitrag verfasse, habe ich sie im Hinterkopf. Unsere Freundschaft hilft mir dabei, die richtigen Worte zu finden.

Lines about my longest friendship

lines about my loved

„The quality of a friendship should be measured on the strength of your bond and the abundance of love between you, not the number of times you catch up over coffee or go out drinking. We all have different needs, schedules and responsibilities. What´s important is you are there when it matters.“ – Beau Taplin

Manche Begegnungen können das ganze Leben verändern – unsere Begegnung gehört zu jenen. Als wir uns vor mehr als zehn Jahren auf dem kleinen Spielplatz des Campingplatzes kennenlernten, wussten wir noch nicht, wie viel wir einander einmal bedeuten würden. Wir waren gerade einmal sieben und acht Jahre alt, als sich unsere wunderbare Freundschaft, die bis heute anhält, entwickelte. Nach so vielen Jahren mit ihr an meiner Seite, kann ich auf viele schöne gemeinsame Erinnerungen zurückblicken. Mehr als die Hälfte meines Lebens, in dem ohne unsere Freundschaft wahrscheinlich vieles anderes gelaufen wäre, gehört sie nun bereits zu meinen engsten Freunden.

Mit den Jahren haben wir beide uns sehr verändert, ohne dass unsere Freundschaft je an Stärke verloren hat. Auch wenn es von Zeit zu Zeit Phasen gab, in denen wir weniger Kontakt hatten, wusste ich immer, dass ich mich auf sie verlassen kann. Wir hatten die Chance gemeinsam zu wachsen – erwachsen zu werden. Ich habe das Gefühl, dass auch unsere Freundschaft an all dem, was wir gemeinsam erlebt haben, gewachsen ist. Wir haben gemeinsam gelacht & geweint, die erste Liebe & andere Abenteuer erlebt. Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich durch sie in meiner ganzen Jugend, jemanden an meiner Seite hatte, den ich einen echten Freund nennen konnte.

Das Besondere an unserer Freundschaft ist nicht bloß ihre Länge, sondern auch die Umstände, unter denen sie immer noch besteht. Denn wir mögen uns zwar sehr nahe stehen, wohnen jedoch keinesfalls nah beieinander. Wenn wir uns sehen möchten, müssen wir viele Kilometer reisen – ein langer Weg, den das Treffen jedoch auf jeden Fall wert ist. Nicht im selben Ort zu wohnen, macht eine Freundschaft auf keinen Fall einfacher. Wenn man mit dem anderen Zeit verbringen möchte, kann man nicht spontan an dessen Haustür klingeln oder sich auf ein Eis verabreden – vor allem als Kind war das nicht leicht. Es konnte unsere Freundschaft jedoch nicht zerbrechen.

Dennoch haben wir es irgendwie immer hinbekommen, einander zu sehen – mal häufiger, mal seltener. Die Wochenenden, die ich bei ihr zuhause verbringen durfte und die gemeinsame Urlaube am Strand habe ich jedes Mal genossen. Die Zeit, die ich mit ihr verbracht habe, hat mein Leben auf vielfältigste Art und Weise bereichert. Dank ihr habe ich mich nie alleine gefühlt – ich wusste, dass sie immer für mich da war, auch wenn uns gerade hunderte Kilometer trennten.

Nun – mehr als ein Jahrzehnt nach unserem ersten Treffen – bin ich glücklicher denn je, sie damals kennengelernt zu haben. Denn eine Freundschaft, die so viel Veränderung und so große Entfernung übersteht, ist etwas ganz Besonderes. Bis jetzt hat uns Nichts trennen können. Und ich bin mir sicher: das wird auch in den nächsten Jahrzehnten so bleiben. Auf sie, auf uns und auf all das, was uns beide so unzertrennlich macht.